Physiologie Mensch –
Blutgerinnung

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Blut, Blutzellen im Blutplasma

Das Blut (Sanguis) ist eine Körperflüssigkeit, die mit Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems die Funktionalität der verschiedenen Körpergewebe über vielfältige Transportfunktionen und Verknüpfungsfunktionen sicherstellt. Blut besteht aus speziellen Blutzellen sowie dem Blutplasma, in dem diese Zellen schwimmen. Das Gefäßsystem des erwachsenen menschlichen Körpers enthält etwa 70 bis 80 ml Blut pro kg Körpergewicht, dies entspricht ca. 5 bis 6 l Blut. Männer besitzen in der Regel etwa 1 l Blut mehr als Frauen, was vor allem auf Größenunterschiede und Gewichtsunterschiede zurückzuführen ist.

Physiologie  Blut Sanguis, Verletzung Blutgefäß, Blutgerinnung primäre und sekundäre Hämostase

Blutgerinnung durch Thrombenbildung im Blut; ein verletztes Blutgefäß (longitudinal angeschnitten) mit primärer und sekundärer Hämostase durch weißen und roten Thrombus der Blutkörperchen.

Die Prozesse, die den Körper vor Blutungen schützen sollen, werden unter dem Oberbegriff der Hämostase (Blutstillung) zusammengefasst, die Summe der physiologischen Prozesse, die den Stillstand einer Blutung herbeiführen. Dabei wird unterschieden zwischen primäre und der sekundäre Hämostase.

Hämostase, Gerinnung bei Blutungen und Fibrinolyse

An der primären Hämostase sind neben den Thrombozyten verschiedene im Plasma enthaltene und auf der Gefäßwand präsentierte Faktoren beteiligt. Das Zusammenspiel dieser Komponenten führt bereits nach zwei bis vier Minuten zur Abdichtung von Lecks in der Gefäßwand. Dieser Zeitwert wird auch als Blutungszeit bezeichnet. Zuerst verengt sich das Gefäß, dann verkleben die Thrombozyten das Leck, und schließlich bildet sich ein fester Pfropfen aus Fibrin, der sich nach abgeschlossener Gerinnung zusammenzieht. Die Fibrinolyse ist später für ein Wiederfreimachen des Gefäßes verantwortlich.

Die sekundäre Hämostase findet durch Zusammenwirkung verschiedener Gerinnungsfaktoren statt. Dies sind, bis auf Calcium (Ca2+), in der Leber synthetisierte Proteine. Diese im Normalfall inaktiven Faktoren werden in einer Kaskade aktiviert. Sie können entweder endogen, das heißt durch Kontakt des Blutes mit anionischen Ladungen des subendothelialen (unter der Gefäßinnenoberfläche gelegenen) Kollagens oder exogen aktiviert werden, das heißt durch Kontakt mit Gewebsthrombokinase, die durch größere Verletzungen aus dem Gewebe in die Blutbahn gelangt ist. Ziel der sekundären Blutgerinnung ist die Bildung von wasserunlöslichen Fibrinpolymeren, die das Blut zu Klumpen gerinnen lassen.

Als Fibrinolyse wird der Prozess der Rückbildung der Fibrinklumpen bezeichnet. Dies findet durch die Aktion des Enzyms Plasmin statt.
Gerinnungssystem und Immunmechanismen sind Schutzfunktionen des Transportorgans Blut. Sie verhüten Verluste bei Gefäßschäden und wehren Fremdstoffe und Mikroorganismen ab. Ihr Wirkort sind meist kleine Gefäße und Kapillaren. Die Träger der Wirkung sind Proteine in Blutkörperchen und im Blutplasma.

Die Gerinnung bewirkt Blutstillung und Thrombenbildung. Sie steht im Gleichgewicht zur Fibronolyse und erzeugt Blutstillung, die zerfallende Thrombozyten verstopfen die verletzte Kapillaren. Austretendes Serotonin kontrahiert die Gefäßwände. Die Verletzung größerer Gefäße aktiviert Thrombokinase aus Thrombozyten oder Gewebsplasma. Diese setzt Prothrombin zu Thrombin um, welches Fibrinogen in Fibrinfäden umwandelt, die ein Netz bilden. Es umschließt Blutzellen, kontrahiert sich und verlegt als Thrombus die Öffnung. Thromboseverhütung durch Fibrinolyse heißt, dass bei intravasaler Gerinnung nach Intimaverletzung zu PLasmin aktiviertes Plasminogen das Fibrinnetz in Fibrinpeptide zerlegt. Der Thrombus löst sich und zerfällt.

Abwehrfunktion im Blut und Krankheiten

Die Abwehrfunktionen laufen zellulär oder humoral ab. Immunwirksam sind Leukozyten oder Plasmaproteine. Antigene lösen die Antikörperbildung aus. Die Antigen-Antikörperreaktion beseitigt die Antigene. Bei zellulärer Abwehr nehmen Leukozyten die Antigene durch Phagozytose im Gefäß oder im Gewebe auf. Beladene Zellen werden abgebaut oder als Eiter ausgeschieden. Immunstoffe vermitteln die humorale Abwehr, sie bilden sich bei der Immunisierung gegen Antigene und bleiben im Blut erhalten. Beispiele sind die Blutgruppen mit den Antigenen A und B in der Erythrozytenmembran und mit den Antikörpern Alpha (Anti-A) oder Beta (Anti-B). A tritt mit Beta, B mit Alpha, 0 mit Alpha und Beta und AB ohne auf. Transfusion von Alpha zu A löst die Antigen-Antikörperreaktionen Agglutination (Verklumpen) und Lyse (Auflösen) der Zellen aus.
Viele Krankheiten lassen sich an bestimmten Veränderungen der Blutbestandteile im Blutbild erkennen und in ihrem Schweregrad einordnen, weshalb das Blut die am häufigsten untersuchte Körperflüssigkeit in der Labormedizin ist. Eine weitere wichtige Untersuchung ist die Blutsenkungsreaktion (BSR), bei der anhand der Zeit, in der sich die festen Bestandteile in mit Gerinnungshemmern behandeltem Blut absetzen, Rückschlüsse auf eventuell vorhandene Entzündungen gezogen werden können.

AB0-System und Rhesusfaktor im Blut

Die medizinisch bedeutsamsten Blutgruppen des Menschen sind das AB0-System und der Rhesusfaktor. Rhesusfaktoren können in den Untergruppen C, D und E auftreten. Medizinisch relevant ist besonders der Faktor D. Ist das D-Antigen vorhanden, so spricht man von Rhesus-positiv, fehlt es, spricht man von Rhesus-negativ. Beim Rhesussystem entstehen die Antikörper (der Gruppe IgG) im Blut erst, nachdem der Körper das erste Mal auf Blut mit Antigenen trifft. Da IgG-Antikörper die Plazenta durchqueren können, besteht die Möglichkeit von Komplikationen während der zweiten Schwangerschaft einer Rhesus-negativen Mutter mit einem Rhesus-positivem Kind. Hierbei kommt es zunächst zu einer Auflösung (Hämolyse) der kindlichen Erythrozyten und einer anschließenden krankhaft gesteigerten Neubildung, die als fetale Erythroblastose bezeichnet wird.



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Bilder: © Frank Geisler 2015

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